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"Schatz, ich denke, du brauchst das nicht."

von Marc Krautwedel

Kapitel 7: Wo ist der Salonwagen?

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Wo ist der Salonwagen?

Zeichen für unendlich, die liegende Acht Zeichen für unendlich, die liegende Acht

Auf dem Gleis neben der Spur

Lüneburg – Berlin – Polen

Die Vorstellung, meinen Sohn in einem Flugzeug zu sehen, verdampfte stinkend in der Alternative: ‚Roadtrip nach Minsk‘. Die Mayersche Logik hat einen widersprüchlichen Charakter – aber sie greift. Optionen und Details. Es ist ein Chaos, das als lösbar dargestellt wird. – Zeigen; nur um es in Szene zu setzen, damit es ein noch irrer wucherndes Eigenleben entwickelt. Ermattet langt die weichgekochte Person fast immer nach dem Strohhalm mit der einfachsten Lösung.

Wann diese präsentiert würde oder ob es der erste Vorschlag war, steht allein in Mayers Drehbuch. Junior zog sein letztes Register:

„Nicht mit dem Auto nach Minsk? Kein Problem. Was hältst du davon, wenn du fliegst – also von Hamburg nach Frankfurt, München oder Wien und dann nach Minsk? Ich fahre allein mit dem Zug. Wir treffen uns dort. Du kannst nachkommen.“ Auch die argumentative Umkehrung der Sachlage in ‚Mutti mit der Extrawurst‘ hatte er von seinem Vater. Ich fühle mich immer richtig ‚gut‘ dabei. Das Thema war damit erledigt.

Eines frühen Morgens fuhren wir beide in Lüneburg mit dem Zug sehr zeitig Richtung Hamburg ab. Ich hatte garantiert nicht vor, den abendlichen Zug in Berlin zu verpassen. Unsere für genau die fünf Tage ausgestellten Visa nebst der Zugbuchung hatten sich bei mir im Pflichtenheft eingebrannt.

Wenn ich in den Urlaub aufbreche, versiegt vor der Abreise jedes Urlaubsgefühl. Die Bilder der Vorfreude verblassen. Stattdessen hockt der kleine, dumme Bruder von Heimweh wie ein Betonklotz auf meiner Brust und im Gepäck. Der Druck ließ nach, sobald ich die Elbe gequert hatte. – Entweder ging es durch den gleichnamigen Tunnel zum Flughafen oder über Brücken. Richtung Süden waren es die Kasseler Berge. Der Wechsel vom Blick zurück mit Anspannung zu der ersehnten Urlaubsstimmung mit freudiger Erregung brauchte einen gewohnten Reiz für einen Impuls.

– Loslassen, bevor ich nach dem Neuen greife.

Ich saß da im ICE Hamburg–Berlin und schaltete nicht um. Die Elbe hatten wir längst hinter uns gelassen. Daran lag es nicht. Ich war irgendwie auf einer Geschäftsreise. Den Interessen verschiedener Parteien sollte ich nachkommen und ihrem Vorhaben zustimmen. – Warum? Sie waren sich einig. Was soll ich in Minsk? Klatschen? Das Lied vom Sieg der Liebe singen? Die Planwirtschaft loben? Am Ende Fünfe gerade sein lassen? Ich bin bis zum Bersten tolerant. – Wenn es um Inhalte geht. Zu sehen, dass jemand leergepulte Erdnussschalen auf den Tisch pfeffert, bringt mich in innere Raserei. Äußerlich unbewegt? – Klar: schockgefroren, unfähig, den Blick vom Frevel abzuwenden. Anna, krieg dich ein. Du schaffst das. Zitrone, Zitrone.

Der Zug von Berlin nach Minsk schien ein Renner zu sein. Nicht seine Geschwindigkeit, sondern seine Beliebtheit erstaunte mich. Es war schwierig, noch Plätze zu reservieren. Für die Fahrt war ich 100-prozentig vorbereitet. Auf Verpflegung – wie sonst üblich – hatten wir auf Geheiß meines Sohnes verzichtet. Neuland für mich. Ich vertraute auf die Kernaussage seiner weiterhin floral wuchernden Ausschmückungen zu dem uns erwartenden Bordrestaurant. Ich mag es nicht beschwören, aber es wäre möglich, dass er gemogelt hatte. Seine Sprache und Schlüsselworte wie ‚Salonwagen‘ klangen aufgesetzt. In etlichen Jahren erwähnte ich den Traum, im Orientexpress zu reisen. Für einen nostalgischen Zeitsprung in die fahrende Oase der Eleganz und der leisen, vortrefflich gewählten Töne bin ich so was von empfänglich. Ob ich es wirklich täte, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Berlin Hauptbahnhof. 90 Minuten vor Abfahrt. Ich plane in Teilzielen, ohne sie als Erfolge zu werten. Sobald wir im fahrenden Zug nach Minsk säßen, käme ein fettes Häkchen auf die Liste mit dem Haufen Fragezeichen.

Ich brauche einen Cappuccino – und erhielt ihn auf einem der oberen Geschosse im Bahnhof.

Wir erreichten das angeblich richtige Gleis. Ein verwahrloster Zug blockierte es. Er hatte was von einem einreihigen amerikanischen Wohnwagenpark unter der klammen Betonbrücke eines Highways. Die Mistfliege belegte den Landeplatz für unser Schloss auf Schienen. Das angepriesene Luxusgefährt hätte allmählich eintrudeln sollen. Ich kannte nur die Abfahrtszeit. Da hatten wir 30 Minuten Luft.

Entwarnung. Weit weg kann der Zug nach Minsk nicht sein. Wer weiß, wie lange der hält. Ich brauche fünf Sekunden zum Einsteigen, wenn er dann mal hier steht.

An seiner Stelle kauerte die Rostlaube Richtung Nischni Nowgorod.

Die Fahrgäste waren auf dem Bahnsteig. Sie benahmen sich, als gehörte ihnen alle Zeit der Welt. Der Zug war in seinem Ausdruck ein echter Hingucker. Vintage-Look? Besser, er sah nicht nur benutzt aus. Knallhartes Design: Es wurde auf alles verzichtet, was ihn nicht als Schrott auf Schienen zu erkennen gegeben hätte. Die Zugbegleiterinnen hatten eine eher handfeste als diskutierfreudige Ausstrahlung. Koffer und Kleingeräte waren nicht auf die Dächer der Waggons geschnallt. Es war dennoch wie auf einem Campingplatz. Etliche der Fahrgäste hatten es sich bequem eingerichtet. Einige liefen in Badelatschen und formverlustig farbgewinnend eingetragenen Bademänteln auf dem Bahnsteig herum. Sie plauderten miteinander und aßen mitgebrachte Schnittchen. Ein Reisender biss abwechselnd in die Mutter aller Bockwürste und in Essiggurken. Er fischte sie direkt aus dem Glas. Aber aufessen!, dachte ich. Die Gurken werden begrabbelt nicht besser.

Die Passagiere streckten und kratzten sich. Bei zumindest rechtshändigen Männern in Unterwäsche sind es im Gespräch auffallend oft die gleichen juckenden Stellen. Das linke Schulterblatt und der hintere Achselansatz waren die Favoriten. Die Harmonie auf dem Bahnsteig war hochansteckend. Ich hatte schon durch Teile meiner angeheirateten Familie – die Mayers – die Gelegenheit genossen, Antikörper zu bilden, und bin unempfindlich.

Zeichnung einer Kaffeetasse mit dampfendem Kaffee Zeichnung einer Kaffeetasse mit dampfendem Kaffee

Das Thema kocht immer wieder sauer hoch. Nicht bei mir, sondern bei anderen wegen mir. Zu einer Nähe gehört für mich ein Respekt, mit viel engerem Korsett als gegenüber Fremden. Nur oder gerade, weil man sich genau kennt und liebt, nehme ich besondere Rücksicht.

Mit meiner Haltung knalle ich ständig vor die Wand. Wie oft schon hatte ich vertrauensvoll gehört: „Wir sind doch unter uns“; „Wir sind da nicht so“; „Ich sach mal auf gut Deutsch“. Dann die Füße in Socken auf den Couchtisch legen? Bei mir läuft das weder in Friedens- noch in Kriegszeiten. Können sie alles zu Hause machen, wenn es nicht das meinige ist. Familie? Ja, eben. Unter vertrauten, geschätzten und geliebten Gleichgesinnten bestehen ideale Voraussetzungen. Es sind die Gelegenheiten, unsere Ansprüche an ein exzellentes, vorbildliches Benehmen einzuhalten. Stattdessen war es eher als Einladung gesehen, sich in Geist und Körper „am Hintern zu kratzen“. Meinungen als unverbindliche Aufstößerchen, ein blöder Witz … Wo soll da bitte die Reise im Keller des Gemeinwesens landen? Ich lehne das ab. Wen’s stört, kann mich kreuzweise.

„Was ist denn hier los?“, entwich es mir leise in einem Moment des bewundernden Entsetzens. Eine Art von gespielter Zeitreise, der ich mitten in Berlin beiwohnen durfte. Dreharbeiten für einen Film oder experimentelles Theater. Es hatte einen eigenen Rhythmus. „Da fehlen ja nur noch Hühner und Gänse. Unser Zug wird hoffentlich anders sein.“

„Das IST unser Zug.“ Junior war unberührt.

„Bitte?“

„Wir steigen in Minsk aus. Der gondelt weiter. Mal gucken, wo unser Waggon ist“, sagte Junior.

Mein Schock war nicht in Worte zu fassen. Stattdessen reagierte ich praxisorientiert: „Wo ist der Speisewagen?“

„Den suche ich, wenn wir das Abteil gefunden haben.“

„Oh, nein. Sieh mal. Nein, sieh nicht hin. Zeigt der Mann da hinten ungeniert sein Geschlechtsteil?“ Ich war nicht geschockt oder angeekelt. Alle – außer mir – hatten einen ähnlich gepolten Draht zu ihrem Selbstverständnis. Da war wenig unvorstellbar. Ich hatte mich längst davon verabschiedet, draußen in der Welt Etikette und anständiges Benehmen vorauszusetzen – dachte ich.

„Wie soll ich es sagen, wenn ich nicht hingucke?“ Junior fokussierte, als sei er ein geprüfter Schlüpferinspektor, und seine Augen wurden winzig schmal. „Moment, ist das ein …? Nein, Entwarnung. Das Gürtelende von seinem Bademantel hängt unglücklich. Sieh doch genau hin. Sein Zeugs trägt er in der nicht mehr brillantweißen Feinripp-Unterhose mit Seiteneingriff. Alles verpackt. Können wir jetzt einsteigen, oder willst du es überprüfen?“

Das Abteil fanden wir, richteten uns ein, und alsbald fuhr der Zug an. Junior bequemte sich, das Bordrestaurant zu suchen. Vom Bahnsteig aus hatte ich es nicht gesehen. Es dauerte nicht lange und er bestätigte meine Vorahnung:

„Es gibt hier keins. Wir kommen nicht einmal von Wagen zu Wagen. Die zuständige Dame hier hat ein paar Sandwiches. Eine gewaltige Dampfmaschine steht neben der Toilette.“

„Ich wusste es. Warum höre ich auch immer wieder auf … Dampfmaschine?“

„Im Prinzip ja. Erst hatte ich gedacht, dass einer ein Weihrauchpendel – das Ding, das sie durch die Kirchen schwingen – geklaut hat. Nein, unsere Waggonmatrone sagt, das ist ein Samowar. Heißwasser. Vielleicht geht auch ein Schlauch zur Dusche rüber.“

Ich war urlaubsreif und wollte doch nur nach Hause.

Leid und Laster

Zeichen für unendlich, die liegende Acht Zeichen für unendlich, die liegende Acht

Meine Heimreiselust hatte wenig mit dem fehlenden Speisewagen zu tun. Juniors Respektlosigkeit und sein Gequatsche nerven zu jeder Tages- und Nachtzeit, ganzjährig, aber sind mit Pausen erträglich. – Ich war die ganze Zeit genötigt, an etwas teilzuhaben, gegen das sich alles in mir sträubte – und ich entschied:

„Es reicht mir. Ich steige in Frankfurt an der Oder aus. Fahr du zu deiner Frau.“ Ich meinte es todernst.

„Das kannst du nicht machen.“ Er glaubte mir kein Wort. Da ich aber nichts hinzufügte, zogen Schlieren der Unsicherheit über sein gestriegelt unbescholtenes Gesicht. Mister Streifenfrei hatte ein Problem. Er argumentierte mit dem Wort, das ich den anderen Beteiligten angeblich gegeben hatte. Von offener Ablehnung und elitärem Gehabe war seine Rede.

Niedlich. Ethik und Moral. Junior will mir zeigen, wo der Hase läuft – auf meinem Spielfeld. Für einen Mayer ist es kein Ballsaal, sondern ein Minenfeld. Nicht an seinen geschlagenen Haken wird der Flüchter gemessen. Allein das Durchkommen zählt. Aus der Puste war er schon vor dem Lauf.

Auf dem Höhepunkt meiner Gegenwehr mit „Vergiss es“ rief Lisa erwartungsfroh an. Sie erkundigte sich, ob wir im Zug säßen. Junior sagte ihr, dass ich umkehren würde. Sie weinte. Er versuchte, sie zu trösten. Es gelang ihm nicht. Er verharrte gebeugt im Abteil stehend – und Herrn Mayer fehlten die einschlägigen Worte, die Lage zu verbessern. An ihm spürte ich, dass Lisa kleiner wurde. Keine seiner Geschichten, derer man sich sonst nicht erwehren konnte, hätte Wirkung gezeigt. Das sind Höllenmomente. Du weißt, dass du mit der Sache nichts zu tun hast. Du bist allenfalls Nebendarstellerin. Du störst nicht, drängst dich nicht auf und handelst für dich bei etwas völlig Belanglosem. – Und eine Frau, die verliebt ist und glücklich sein sollte, weint deinetwegen, weil es dir nur um dich geht.

Zu selten kommen die Momente, in denen sich der Mensch vom Mist unterscheidet, wenn er den Dreck wegräumt, um sich selbst wiederzuerkennen.

Bei meiner Überzeugung gelingt es mir nicht. Wozu auch? Da sehe ich keinen Mist. Aber bei Entscheidungen habe ich stets die Gummihandschuhe dabei und keine Furcht vor Grabgeräten. Minsk und Lukaschenko, ihr könnt mich kreuzweise. Ich kann euch nicht ab. Sorry, Minsk, du kannst nichts dafür. Ich bin im Anmarsch und bringe einen Idioten zu der Frau, die ihn zu lieben scheint. „Gib mir das Telefon!“ – „Lisa, Kleines, wir kommen.“

„Ana“, kam knapp und wimmernd aus dem Handy.

Als fühlte ich mich nicht schon beschissen genug. Klar war ich gefangen. Aber das heißt nur, dass ich geladen bin. „Lisa, dein Mann wäre sowieso gekommen. Mich brauchst du nicht.“

„Danke, Ana. Ich habe meiner Muuter versprochen, dass du kommst. Sie macht sich Sorgen, wenn ich bin nicht mehr zu Ause.“

Nachdem das endgültig geregelt war, behielt ich den Kommandoton bei. „Wie lange halten wir in Frankfurt an der Oder?“

Junior sah auf den Fahrplan: „Zehn Minuten. Da springe ich kurz raus und kaufe ein.“

Eine Witterung hat er ja. Er musste jetzt gut vorbereitet sein, weil ich die Anlandung des Zuges unter bestmöglichen Bedingungen forderte. Ich kam aus der Lage nicht mehr raus. Er auch nicht. Damit waren alle Spielchen erledigt.

Gesagt, gesprungen? 20 Kilometer später hielt der Zug planmäßig in Frankfurt an der Oder. Junior stieg aus – und ich mit ihm. Er sprang und lief tatsächlich. Es bewegt sich, dachte ich anerkennend. Er flitzte – wenn man es so nennen durfte – in die Bahnhofshalle. Ich saß am Bahnsteig auf den gepackten Koffern. – Ich stand nicht daneben. – Ich wartete nicht im Zug. – Wie ein Huhn hockte ich auf dem Gepäck. Die in alle Richtungen geräumige Zugbegleiterin rief mich zurück in den Wagen. Ich reagierte nicht. Sie versuchte, mit mir in ihrer Landessprache zu diskutieren. Ich antwortete nicht und lächelte nicht. Meine Haltung hatte nur teilweise eine Eleganz, die zu dem edelsten französischen Gepäck unter mir passte. Dessen Hersteller bezeichnet sich gern als Handwerksbetrieb, obwohl er Teil eines Luxusimperiums ist. Andererseits war ich das besagte Huhn zwischen Schockstarre und Angriffsbereitschaft.

Wenn er es nicht rechtzeitig schafft, bleibe ich am Bahnsteig sitzen? Nein. Ich steige ein und donnere allein zu Lisa? Dann muss er den Flieger nehmen? Zusammen. Wir fahren mit normalen Zügen bis Warschau und sehen weiter. – Seit der Pubertät war er selten pünktlich. Warum sollte das ausgerechnet jetzt beendet sein?

Die Sorge um seine Untugend wäre vor Lisas Anruf als zu gewinnende Wette gewertet worden. Nun war es hirnrissig wie die Frage. Junior war anders; verändert.

Den Zug fand ich furchtbar und den Anlass der Reise fragwürdig.

Wo bleibt er denn? Die Zugbegleiterinnen riskierten einen abschließenden Blick auf das Prunkstück frühsteinzeitlichen Fahrzeugbaus und stiegen ein. Ich richtete mich darauf ein, mich nach dem nächsten Zug zu erkundigen. Das ist kein Drama – aber scheiße ist es schon. Die Luft stand still, es war warm, und es roch nach nichts.

Da kam mein Goldjunge angelaufen. Beide Hände voll mit diversen fitzeligen, dünnwandigen weißen Plastiktüten. – Als hätte er einen Dönerladen geplündert. – Zugetraut hatte ich es ihm. Der Geruch wäre nervend im Abteil kleben geblieben. Mann, war ich hochmütig – und naiv. Ich hatte es verdient, wenige Minuten später belehrt zu werden. Mit dem Gesichtsausdruck eines Siegers grinste das Honigkuchenpferd mich an und sagte: „Na komm, steh bitte auf.“ Er gab mir die Tüten und schmiss die Koffer wie federleichte Turnbeutel zurück in den Zug. Die Falle war endgültig zugeschnappt, doch ich spürte ihre Klauen nicht mehr.

Wir hatten einen extrem sommerlichen Tag im Mai erwischt – draußen. Im Zug war es unerträglich heißer. Mein Sohn hatte an alles gedacht. Sandwiches, Cola, Limonade und Wasser in Dosen. Sogar Wein hatte er dabei. Becher sowie Süßigkeiten rundeten das Programm ab. Die gleichen Gefühle wie beim Salonwagen im Orientexpress weckte das Ambiente wahrscheinlich nicht. Die Vergleichsmöglichkeit fehlte. Wir würden weder verhungern noch verdursten. Selbst dann nicht, wenn der Zug den Geist aufgäbe. Die Klimatisierung konnte nicht ausfallen. Es gab keine. Die Hitze forderte, zumindest die gebutterten Nahrungsmittel zügig zu essen. Cola-Dosen mit vierunddreißig Grad Celsius kannte ich aus dem Jugoslawienurlaub.

Mein Sohn – Ingenieur seines Zeichens – fand etwas heraus. Nein, er machte eine „großartige Entdeckung“. So sagte er. Es war nicht irgendwo, sondern in dem Abteil, in dem wir saßen, aßen und in dem wir schlafen wollten. Direkt mir gegenüber fand er die Bestätigung seiner Komfortversprechen. Das Thema Salonwagen war Geschichte. Nun reichten ihm kleinste Sprünge über die niedriger gelegte Latte.

„Sieh mal, hier ist ein Kühlschrank unter dem Sitz. Die Sitzfläche ist der Deckel. Unsere Probleme sind gelöst.“

Gelöst? Unsere Probleme erhielten einen neuen Teilnehmer. Zumindest die Annahme, dass es sich um einen Deckel – eine Abdeckung – handelte, entsprach der Realität. Was aufgedeckt wurde, stand auf einem anderen Blatt. – Ein generelles Missverständnis der folgenden Wochen.

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