La Mamma kocht für alle.
Monte Baldo
Die Reise war ein Kurztrip. Zwei Nächte Bardolino. Am frühen Nachmittag waren wir da. Den nächsten hatten wir komplett für Mailand offengehalten. Wir hatten keine Ahnung, was meinen Sohn beim Termin erwarten würde. Das klingt geheimnisvoll. Was sollte ich mir unter einem „Kennenlernen und Vertrauen gewinnen für eine langfristige Zusammenarbeit“ vorstellen? Ich fragte Junior.
„Keine Ahnung. Die Summen sind hoch. Meine möglichen Partner investieren Risikokapital. Ich mache auf disruptiven Gamechanger und …“
„Worauf machst du?“ Mein Englisch ist nicht schlecht, aber für Blödsinn fehlt mir die Fantasie.
„Sorry, auf einen durchgeknallten Erfinder, an dem die Welt nicht vorbeikommt. Alle wollen oder brauchen, was er produzieren will. Und er hält den Daumen drauf.“
„Eigenartig bist du aber … Hast du so etwas?“
„Jupp.“
„Das ist doch super“, sagte ich und nickte ihm mehrfach zu. – Braucht er noch ein paar Schulterklopfer oder Fragen? Will er darüber reden? Hm, es scheint zu reichen. In der Grundschule hatte er gelernt, alles zu erklären, was er Tolles gebastelt hatte. – „Dann wird das ein Kinderspiel für dich.“
„Ja und nein“, antwortete er.
Oh nein, ich habe es geahnt. Einfach mal machen kennt er nicht. – „Lass mich raten: Es ist kompliziert und reißt andere nicht sofort vom Hocker.“
„So in etwa. Wenn man erst mal drin ist, wird es leicht. – Aber sie haben schon die notwendigen Unterlagen.“
„Dann ist es nur das persönliche Kennenlernen?“
„Nur? – Das ist gut. – Karim ist, glaube ich, heftig auf der persönlichen Schiene unterwegs. Kann sein, dass wir den ganzen Tag über unsere Familien reden. Du kommst mit. Schließlich bist du ein mütterlicher Typ, Mutter.“
Das Herz schwappte mir über.
Uns blieb vom Anreisetag am Gardasee noch der Nachmittag. Junior fuhr mit mir die Via Panoramica in Malcesine den Monte Baldo hinauf. So oft waren wir an der Straßeneinmündung in die Uferstraße vorbeigefahren. Bemerkt hatten wir es auf dieser Tour zum ersten Mal.
Auf der kurvigen Straße kam uns ein junger Bauer mit seiner motorgezogenen Pritsche entgegen. Er grüßte mich so selbstverständlich, als hätten die Nachbarschaft und ich ihn gemeinsam großgezogen. Er gab sich so vertraut, als würde ich am Abend für alle kochen. Das war kein „Guten Tag“, sondern ein „Bis später“.
Mein Sohn begann zu lachen. Er hatte es gesehen. „Es ist nicht zu fassen.“
„Was?“
„Der Bauernsohn, der aus seinen Weinstöcken kam.“
„Was war mit dem?“
„Wie er dich gegrüßt hat – das ist doch nicht wahr.“
„Wieso, ich habe auch gegrüßt.“
„Irgendetwas stimmt mit dir nicht. Du wirst überall als Einheimische gesehen, obwohl du Tourist bist. Und ich bin der geduldete Idiot daneben. Wie machst du das?“
„Wieso? Was soll mit mir nicht stimmen, wenn die Leute dich für einen Idioten halten?“