∞ Lisa begins
Sascha aus Minsk, Belarus, hatte ein Jahr später vor, die Firma zu kaufen. Gut für mich zu wissen, dass ich sie noch immer an der Backe hatte. Einen Grund gab er vor. Ich stieg da nicht durch. Eigenständig, wie er sagte, kam Sascha vielleicht nicht zu uns. Ob es tatsächlich sein Anliegen war oder ob jemand ihn vorgeschoben hatte, ist einerlei. Im Hauptberuf investierte er angeblich in irgendwas mit Halbleitern und Nanotechnologie. Er reiste viel und lebte zeitweise in der Schweiz, wie er behauptete. Das Erstgespräch führte Junior allein mit ihm und seinem Direktor.
Wie mein Sohn mir später erzählte, fragte Sascha ihn, ob er verheiratet sei.
„Nein.“
„Warum nicht?“
Junior hatte dafür keinen triftigen Grund geliefert.
Sascha nahm das Ruder in die Hand und sagte: „Eine Mitarbeiterin von mir würde zu dir passen. Ich möchte, dass ihr euch kennenlernt. Komm nach Minsk.“
Mein Sohn lehnte ab.
„Ich bin häufig in Deutschland, in Köln und Düsseldorf. Meine Angestellte kommt oft mit, weil sie Deutsch spricht. Sie hübsch, klug und unverheiratet. Ich bringe sie mit.“
„Deine Sache“, hatte Junior angeblich gesagt. Der Ton passt zu ihm.
Sie kamen tatsächlich: Sascha, seine Frau, ein Mitarbeiter – und Lisa. Wir luden die belarussische Truppe nach Lüneburg ein. Bei unseren Freunden, die draußen ‚meinen‘ Ahornbaum hatten, aßen wir im Restaurant. Die Ehefrau des Wirtes ist Russin. Sie stellte sich zu den Köchen und zauberte russische Küche, und Juniors Gäste waren begeistert. Der Abend war nett. Wir sprachen überhaupt nicht übers Geschäft. Zuvor hatten sie verhandelt und es kam in die mögliche Nähe einer grundsätzlichen Einigung. – Die Nummer war so vage, dass die Süßholzraspelei einen sauren, fruchtlosen Beigeschmack hatte.
Schon vor dem Essen kam es auch zu Annäherungen zwischen meinem Sohn und Lisa. Sascha besuchte uns noch einmal mit seiner Frau in Lüneburg. Da war Lisa bereits eine Woche vorher zu Junior geflogen. Es musste Liebe sein.